Potenziale entwickeln - Schulen stärken. Ein integriertes Schulforschungs- und datengestütztes Schulentwicklungsprojekt (2014-2020)


Überblick

Der FORSCHUNGSTEIL ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Systematische Stichprobenziehung: Zu Beginn des Projektes wurden Schulen in der Metropolregion Rhein-Ruhr ermittelt, die an dem Projekt teilnehmen können. Insgesamt 36 Schulen entschieden sich dazu, im Rahmen des Projekts die eigene Schulentwicklungsarbeit voranzutreiben, 32 Schulen waren bis zum Abschluss des Projekts beteiligt.
  • Ausgangs- und Abschlussbefragung: Es fand eine Ausgangs- (2014/15) sowie eine Abschlusserhebung (2018) mit Hilfe von Fragebögen statt. Anhand der ersten Erhebung wurden die Ausgangslagen der Schulen ermittelt und Netzwerke für die Schulentwicklungsarbeit gebildet. Die Abschlusserhebung nach drei Jahren der Projektarbeit diente der Ermittlung der Entwicklungen der Projektschulen in verschiedenen Schulqualitätsbereichen sowie der Evaluation der Unterstützungsmaßnahmen, die die Schulen innerhalb des Projekts nutzen konnten.
  • Fallstudie: Für die Fallstudie wurden sechs Projektschulen unterschiedlicher Schulformen ausgewählt. Es fanden pro Fallschule ein Gruppeninterview mit einem Teil des Kollegiums, ein Gruppeninterview mit Netzwerkmoderatorin und begleitender Lehrkraft sowie ein Einzelinterview mit der Schulleitung statt. Ziel der Studie ist die Identifikation von Gelingensbedingungen für begleitete Schulentwicklungsprozesse im konkreten Kontext.
  • Prozessdokumentation (wissenschaftliche Begleitforschung): Die Schulentwicklungsprozesse an den Projektschulen, die Netzwerkarbeit sowie die Unterstützungsangebote des Entwicklungsteils des Projekts wurden wissenschaftlich begleitet, dokumentiert und evaluiert.

Die oben aufgeführten Erhebungsmethoden einer systematischen Stichprobenziehung, der schriftlichen Befragung, der Interviewführung sowie die Prozessdokumentation ermöglichen folgendes Forschungsdesign:

  • Mixed-Methods-Ansatz: Für die Erforschung der Bedarfe, Herausforderungen und Gelingensbedingungen von Schulentwicklungsprozessen an Schulen in schwierigen Lagen werden sowohl quantitative (Fragebogenerhebungen) als auch qualitative (Fallstudie, Prozessdokumentation) Methoden angewendet.
  • Multiperspektivische Befragung: Um ein möglichst umfassendes Bild der Schulrealität und der Entwicklung der einzelnen Schule im Rahmen des Projekts zu erhalten, wurden (fast) alle schulischen Akteursgruppen (Schulleitung, Lehrkräftekollegium, Schülerinnen und Schüler aus je zwei sechsten und achten Klassen sowie deren Eltern) mittels Fragebogenerhebung befragt. In den sechs Fallschulen wurden aktiv am Schulentwicklungsprozess beteiligte Personen (Steuergruppenmitglieder, Netzwerkbeteiligte, Schulleitung und begleitende Lehrkraft) interviewt.
  • Längsschnittdesign: Zur Erfassung der Entwicklungen der Schulen im Rahmen des Projekts werden Daten über die Schulqualität zu Beginn des Projekts und nach drei Jahren erhoben, ausgewertet und miteinander verglichen.

Der ENTWICKLUNGSTEIL ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Systematische Netzwerkzusammenstellung: Anhand der Ausgangserhebung wurden die teilnehmenden Schulen datengestützt in Bezug auf ihre gemeinsamen Entwicklungsschwerpunkte zu überregionalen und schulformübergreifenden Netzwerken zusammengeschlossen, sodass Schulen mit ähnlichen Entwicklungsthemen und vergleichbarer sozialräumlicher Lage im Projektkontext zusammenarbeiten konnten.
  • Evidenz- und netzwerkbasierte Schulentwicklungsarbeit im Dialog: Die Schulentwicklungsarbeit innerhalb des Projekts basierte auf der datengestützten Ermittlung von Unterstützungsbedarfen und Stärken der Schulen durch die Ausgangserhebung zu Beginn des Projektes. Durch die kontextsensible, bedarfsorientierte und zielgerichtete Unterstützung erhielten die Schulen anhand der Arbeit im Netzwerk und in der Einzelschule die Möglichkeit, an ihren spezifischen Entwicklungsbedarfen zu arbeiten.
  • Begleitung der Projektschulen: Die Netzwerkarbeit wurde über die gesamte Projektlaufzeit hinweg durch das Projektteam koordiniert und moderiert. Die Unterstützung der einzelschulischen Entwicklungsarbeit erfolgte durch eine begleitende Lehrkraft. Die begleitende Lehrkraft unterstützte Transferprozesse der Schulentwicklungsansätze vom Netzwerk in die Einzelschule und gab den Einzelschulen Hilfestellungen in ihren einzelschulischen Zielklärungsprozessen und Lehrkräftefortbildungsplanungen.
  • Zusätzliche Unterstützungsangebote: Neben den vierteljährig stattfindenden Netzwerktreffen, in denen sich zwei bis drei Schulvertreterinnen und -vertreter der Projektschulen über vorhandene und neue Ansätze der Schulentwicklung austauschen konnten, bot das Projekt schulinterne Lehrkräftefortbildungen und weitere Angebote im Rahmen der Potenziale-Akademie an. Die schulinternen Lehrkräftefortbildungen beinhalteten die Unterstützung bei der Suche und Finanzierung passgenauer Fortbildnerinnen und Fortbildner, die mit Workshops, Trainings und Beratungen das Gesamtkollegium, Teile des Kollegiums oder spezifische Schulgruppen unterstützten. Im Rahmen der Potenziale-Akademie wurden zusätzliche schul- und netzwerkübergreifende Angebote zusammengefasst. Dazu zählten beispielsweise Hospitationen an Preisträgerschulen sowie Workshops für bestimmte schulische Akteursgruppen (Schulleitung, Steuergruppe) und themenspezifische Workshops, wie bspw. zum sprachsensiblen Unterricht.

Evidenzbasierung

Vor dem Hintergrund einer verstärkten Datenorientierung der Bildungspolitik und der Systemsteuerung, taucht der Begriff der Evidenzbasierung vermehrt im erziehungswissenschaftlichen Diskurs auf. Evidenzen werden als systematisch generierte, verobjektivierte und explizite Informationen und Wissensbestände zur Wirksamkeit von Bildungsprozessen und ihren fördernden Rahmenbedingungen verstanden. Eine systematische Handlungsorientierung an solchen, als Grundlage für Entscheidungen und Praxen, kann als Evidenzbasierung verstanden werden.

Das Projekt stellte den Schulen Datenquellen (aus der Eingangserhebung und der zweiten Erhebungswelle) in Form der ‚Datenrückmeldungen‘ zur Verfügung, die einzelschulische Informationen enthalten.

Lernarbeit in Schulnetzwerken

Die Projektschulen wurden kriteriengeleitet und datengestützt zu sechs überregionalen und schulformübergreifenden, themenbezogenen Schulnetzwerken mit ähnlichen Ausgangslagen zusammengeschlossen. Als Grundlage für die Netzwerkzusammenstellung wurden die in der ersten Erhebungswelle generierten Daten von Lehkräften, Schulleitungskräften, Schüler*innen und Eltern verwendet.

Die vierteljährlichen ganztägigen Netzwerktreffen der einzelnen Netzwerke, an denen zwei bis drei Schulvertreterinnen und Schulvertreter aus den Einzelschulen teilnahmen, wurden von einer Mitarbeiterin der Universitäten Dortmund und Duisburg-Essen konzipiert und moderiert. Die ‚Begleitenden Lehrkräfte‘ nahmen unterstützend an diesen Netzwerktreffen teil.

Der (Erkenntnis- und Wissens-)Transfer in die Einzelschule ist ein zentrales Ziel und wird unterstützend umgesetzt durch den Einsatz eines ‚Transferbogens‘.

Netzwerk 1

Lehrerkooperation in Bezug auf Individualisierung
in heterogenen Lerngruppen

Schulen des Netzwerks 1.1NW 1.1

NW-Moderatorin: Dr. Ilse Kamski
Begleitende Lehrkraft: Wendel Hennen

Schulen des Netzwerks 1.2

NW 1.2NW-Moderatorin: Eva Kamarianakis
Begleitende Lehrkraft: Dr. Michael Wildt

 

Netzwerk 2

Kooperative Unterrichtsentwicklung

Schulen des Netzwerks 2.1

NW 2.1NW-Moderatorin: Sabrina Rutter
Begleitende Lehrkraft: Steffen Wachs

Schulen des Netzwerks 2.2

NW 2.2NW-Moderatorin: Julia Niemann
Begleitende Lehrkraft: Stefan Papenberg

Netzwerke 3

Ressourcennutzung
(wertschätzende Haltung gegenüber Heterogenität, kollektive Selbstwirksamkeit, Elternarbeit)

 

Schulen des Netzwerks 3.1

NW 3.1NW-Moderatorin und
Begleitende Lehrkraft: Stefanie Wachs (geb. Hahne)

 Schulen des Netzwerks 3.2

NW 3.2NW-Moderatorin: Christine Neumann
Begleitende Lehrkraft: Thomas Löhr

 

Schulentwicklungsberatung als Entwicklungsbegleitung für einzelne Schulen

Um den Transfer von Netzwerkergebnissen in die Schulen zu unterstützen und die Aktivierung weiterer schulischer Akteure im Schulentwicklungsprozess zu forcieren, wurde eine Prozessbegleitung auf Einzelschulebene durch eine ‚Begleitende Lehrkraft‘ realisiert. Um auf der Basis eines gemeinsamen Rollen- und Arbeitsverständnisses tätig sein zu können, wurde zu Beginn des Projektes von den ‚Wissenschaftlichen Mitarbeitenden‘ und den ‚Begleitenden Lehrkräften‘ gemeinschaftlich ein sog. Rollenklärungsdokument entwickelt.

Begleitende Lehrkräfte

Kontinuierliche Prozessbegleitung durch die ‚Begleitenden Lehrkräfte‘ mit pro Kalenderjahr mindestens drei Schulbesuchen pro Einzelschule:

        • Ist-Stand-Analyse und Erwartungsklärung
        • Definition von kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungszielen (mit eventuell kontinuierlich erforderlicher Adaption)
        • Definition von Meilensteinen
        • unterstützender Aufbau und Entwicklung der Kommunikations- und Organisationsstrukturen der Schulen

Die Arbeit mit den Schulen wird als „guided process“ bzw. als „geführte“ Unterstützung gestaltet. Die ‚Begleitenden Lehrkräfte‘ und die ‚Netzwerkmoderatorinnen‘ wirken dabei als Lotsen. Wobei den ‚Netzwerkmoderatorinnen‘ (Mitarbeiterinnen aus den Universitäten) eine zentrale Rolle im Gelingensprozess des komplexen Projektvorhabens zukommt.

Netzwerkmoderatorinnen bzw. Wisssenschaftliche Mitarbeitende

  • Konzeption und Moderation der Netzwerktreffen
  • Organisationale und strukturelle Unterstützung der Einzelschulen bei der Initiierung und Implementierung von Schulentwicklungsprozessen wie die Unterstützung bei der Auswahl und Finanzierung von Fortbildner*innen für Schulinterne Lehrkräftefortbildungen, Organisation der ‚Potenziale-Akademie‘, konstante Ansprechperson für jegliche projektbezogenen Fragen für die Einzelschulen und die ‚Begleitenden Lehrkräfte‘,
  • Pflege des Schulentwicklungsportfolios (gemeinsam mit der ‚Begleitenden Lehrkraft‘)

 

Wissenstransfer